Wie Roger Goodells Super-Bowl-Aussagen die AFLE plötzlich ins Rampenlicht rücken
- A.T.

- vor 6 Stunden
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Die neue Liga und die NFL-Europapläne
RP | Analyse | Düsseldorf | 09.02.2026
Ein Interview des NFL-Commissioners Roger Goodell sorgt für neue Fantasie rund um Europas Football und seine Perspektiven. Während Rhein Fires Liga-Start-up finanziell abgesichert startet, gewinnen internationale NFL-Szenarien wieder spürbar an Bedeutung.
Seit sie sich vor gut zwei Monaten an die Öffentlichkeit gewagt hat, sind ein paar Dinge passiert bei der American Football League Europe (AFLE): Ein Ligabüro hat eröffnet, die Strukturen nehmen Formen an und zumindest einige Teams sind bekannt. In einem Liga-eigenen Interview hat Geschäftsführer Moritz Heisler auch nochmal betont, dass bald ein Spielplan verkündet werde und wie wichtig Transparenz und Nachhaltigkeit seien. ⤵️
Nachhaltigkeit entsteht bei der AFLE auch dadurch, dass der Spielbetrieb für die kommenden fünf Jahre durchfinanziert sein soll. Von einem „US-based family office“, also einer in den USA beheimateten Organisation, die das private Vermögen einer oder mehrerer wohlhabender Familien verwaltet, steuert und mehren soll. So gab sie es selbst bekannt.
Europas Football als lohnendes Invest
Die AFLE ist damit eine Liga auf Basis des Investorenmodells, also der Variante, die innerhalb der European Football Alliance (EFA) noch einmal zu einer Abspaltung von Teams wie den Vienna Vikings, Rhein Fire oder den Wroclaw Panthers geführt hatte. Der Rest der EFA – inzwischen ja mit eigener Liga in den Startlöchern – befürwortet weiterhin ein Modell, bei dem die Franchises die Liga gemeinsam lenken und finanzieren.
Zurück zur AFLE. Und zum Investor. Mehr als die Info aus der Gründungsmitteilung, dass es sich dabei um ein Family Office handelt, verriet die Liga bisher nicht. Das ist dünn. Also begeben wir uns auf Spurensuche. Und die führt nach Wien. Zu den Vikings. Die haben seit einigen Jahren in Robin Lumsden einen Miteigentümer, der sich zum Ziel gesetzt hat, den Football auf dem Kontinent voranzubringen. Vor allem wirtschaftlich. Als lohnendes Invest. Der österreichisch-amerikanische Rechtsanwalt und Unternehmer hält 30,47 Prozent an den Vikings als Privatperson, 67,53 Prozent gehören der Investment-Firma Venture Equity, an der Lumsden ebenfalls mehrheitlich beteiligt ist. Und diese Venture Equity hält 100 Prozent der AFLE Betriebs-GmbH.
Nach Lumdsen stieg unlängst auch Joel Nagel als Co-Owner und Investor bei den Wienern ein. Bei der ehemals ELF-Mannschaft der Vienna Vikings, die jetzt auch in der AFLE spielt, die in eine Kapitalgesellschaft ausgegliedert ist. Nagel ist ebenfalls Rechtsanwalt. International vernetzt. Von Österreich bis Belize. Mit Lebensmittelpunkt in Wien. Stammt aus Pennsylvania. Ein Pittsburgh-Steelers-Fan, der unter einem Gastbeitrag im Netz eine Jobbezeichnung abgibt, die mit Blick auf die AFLE hellhörig macht:
„Joel Nagel is an international asset protection and corporate lawyer who heads SOFOS Partners, a unique shared family office (SFO) with global interests in banking, insurance, sports , media, real estate development, hospitality, and timber.“
Zu Deutsch etwa:
„Joel Nagel ist ein internationaler Anwalt für Vermögensschutz und Unternehmensrecht, der SOFOS Partners leitet, ein einzigartiges Shared Family Office (SFO) mit globalen Interessen in den Bereichen Bankwesen, Versicherungen, Sport, Medien, Immobilienentwicklung, Gastgewerbe und Holz.“
Passen da zwei Puzzlestücke zusammen?
Ein Vikings-Co-Owner, der die Gründung der AFLE auf Basis des Investorenmodells maßgeblich mit vorangetrieben hat, ist im Hauptjob also Leiter einer Organisation, die im Auftrag diverser Familien deren Geld in lohnende Investments stecken soll. Da könnten Puzzlestücke zusammenpassen, oder?
Erhellend sind dazu auch Äußerungen, die Nagel zu Europas Football als Invest im April 2025 schreibt (übersetzt):
„Ich bin optimistisch, was die Zukunft des American Football in Europa angeht, sowohl als Fan als auch als Investor.“
Oder an anderer Stelle:
„Auf professioneller Ebene ist das Investitionspotenzial enorm, nicht unähnlich einem aufstrebenden Start-up.“
Da klingen Begeisterung und Investitionslust durch.
Wenn wir also an dieser Stelle einmal davon ausgehen, dass Nagel, Lumsden und vielleicht noch weitere Partner die Gelder für die AFLE besorgt haben, bleibt eine Frage offen: Wo genau sehen die Investoren das lohnende Invest? Schließlich war die ELF bislang kein ausgewiesener wirtschaftlicher Erfolg. Hierzu findet man nichts – genauso wenig übrigens, wie man Finanzdaten oder Ähnliches zu den SOFOS Partners findet in öffentlich zugänglichen Dokumenten. Zumindest ist die exakte Höhe des AFLE-Invests aber inzwischen bekannt: zwölf Millionen Euro.
Liegt die Antwort auf das Warum am Ende bei der NFL?
Aber es ist einmal mehr Nagel, der einem eine Idee einpflanzt, worin der langfristige Sinn eines AFLE-Invests liegen könnten. Wo der „Return of invest“ zu finden ist. Die Antwort lautet: in der NFL und ihrer Gelddruckmaschine. Die AFLE könnte ein Weg für die AFLE-Investoren sein, früher oder später an die Fleischtöpfe der NFL zu kommen. Dann nämlich, wenn die AFLE sich als Vorstufe einer viel diskutierten NFL Europe Division etabliert in konsequenter Fortführung der International Games.
Zitieren wir an der Stelle noch einmal Nagel selbst (übersetzt):
„Die Vorstellung einer künftigen NFL Europe Division mit Städten wie London, Frankfurt und hoffentlich Wien ist kein Hirngespinst mehr. Es ist strategisch sinnvoll für die Liga, und wir glauben, dass Wien in einer ,Sweet Spot‘-Position ist, um Teil dieser Zukunft zu sein“,
schrieb er im April 2025.
Und zitieren wir auch NFL-Commissioner Roger Goodell, der anlässlich des diesjährigen Super Bowls ein Interview bei Westwood One Sports gegeben hat. Da betonte er, dass eine Expansion der Liga durchaus auch international stattfinden könne. Es gebe außerhalb der USA „zweifellos“ Städte, die ein NFL-Team „unterstützen“ könnten.
„Wir sind in einer frühen Phase. Ich schließe internationale Expansion nicht aus, ich denke, es ist irgendwann sehr gut möglich.“
In der Wirtschaft wie im Sport ist es nicht unüblich, dass große Akteure (wie hier die NFL) einen „Soft-Launch“ oder eine „Proof-of-Concept“-Plattform durch Dritte finanzieren lassen, um das Risiko zu minimieren, bevor sie selbst massiv investieren.
Im Februar 2026 gibt es jedenfalls die AFLE. Dank eines Millioneninvests von Joel Nagel und seiner Partner? Als strategischer Schritt der NFL? Wir wissen es nicht. Aber es würde passen. Wie Puzzleteile.
A.T.
(Quelle: Rheinische Post - Stefan Klüttermann)





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