Vienna Vikings (AFLE): Top-Manager Max Paatz - wie er den Boom des American Football in Europa mitgestaltet
- A.T.

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Kleve/Wien · Max Paatz hat American Football zu seinem Beruf gemacht. Vom Jugendspieler bei den Cleve Conquerors über Stationen in Hamburg und Düsseldorf führte sein Weg zuletzt zu den Vienna Vikings in Wien. Der 50-Jährige erinnert sich gern an seinen früheren Mitspieler Markus Dahmen, heute Klever Bürgermeister.

Der Super Bowl war für Max Paatz auch in diesem Jahr ein Spektakel. Die Punk-Rock-Band Green Day sorgte für die Eröffnung des Finales der US-amerikanischen National Football League, Bad Bunny trat in der Halftime-Show auf. Das Geschehen der American Footballer auf dem Rasen war indes recht einseitig, mit 29 zu 13 setzten sich die Seattle Seahawks gegen die New England Patriots durch. Paatz hatte es Tage zuvor so vorausgesagt:
„Die Seahawks haben die ganze Saison über bewiesen, dass sie in der Lage sind, sich von ihrer Energie durchs Spiel tragen zu lassen.“
Max Paatz stammt aus Kleve, heute verdient er mit American Football sein Geld, in der österreichischen Hauptstadt Wien. Die ersten Schritte in dem Sport ging der 50-Jährige beim VfL Merkur Kleve. Als Jugendlicher war er in der Leichtathletik-Abteilung aktiv, im Speerwurf oder beim Kugelstoßen machte er sich einen Namen.
„Parallel zu uns haben damals die Footballer trainiert“,
sagt Paatz. Er fand das temporeiche Durcheinander auf dem Nebenplatz spannend, schnupperte rein – und entwickelte Leidenschaft für den Sport. 15 Jahre war Max Paatz da alt. Er baute die Cleve Conquerors über Jahre mit auf.

Später ging es fürs Studium nach Essen und Düsseldorf, dem American Football blieb Paatz treu, recht zügig auch als Coach. Anfang des Jahrtausends war er dann als Operations Assistent bei den Männern von Rhein Fire in Düsseldorf tätig, die damals in der Profiliga „NFL Europe“ aktiv waren. Paatz lernte, wie Sportmanagement á la Übersee funktioniert. Wobei American Football damals noch eine Nische war. Einige Jahre lang fokussierte er sich in der Folge beruflich auf die Kommunikationsbranche.
Im Jahr 2021 startete der Klever dann bei den Hamburg Sea Devils, die in der noch jungen „European League of Football“ unterwegs waren, als General Manager. Der Höhepunkt seiner Zeit an der Alster:
„Als wir im Sommer 2023 gegen Rhein Fire im Hamburger Volksparkstadion spielten, waren 32.500 Zuschauer dabei. Das war ein Rekord für ein reguläres Saisonspiel“,
sagt Paatz. Dabei war die Corona-Zeit keine leichte für American Football.
„Da hatten wir wirklich große Probleme. Es ging nicht viel, immerhin ist Football eine Kontaktsportart“,
sagt Paatz.

In der Folge ging es für den Klever zurück in die alte Heimat, zu Rhein Fire, wo er ab Herbst 2023 zunächst als Geschäftsführer, später dann als General Manager, also vor allem im sportlichen Bereich, aktiv war. 2023 holten die Düsseldorfer unter ihm den Titel in der European League of Football, im Jahr darauf verteidigten sie die Meisterschaft. Paatz suchte nach einer neuen Herausforderung – und wurde im Ausland fündig. Seit November 2025 ist er Geschäftsführer und General Manager bei den Vienna Vikings in Wien.
Der Deutsche wurde mit reichlich Vorschusslorbeeren geholt.
„Max war unser Wunschkandidat für diese Position,“
sagte Eigentümer Robin Lumsden. Und weiter:
„Mit ihm gewinnen wir einen Leader und Wirtschaftsprofi. Er wird einen wichtigen Beitrag zur permanenten Professionalisierung leisten, hat enge und wertvolle Beziehungen zur NFL und zu diversen NFL-Teams. Max weiß, wie man die positiven Elemente unseres Teamsports kommuniziert. Sein strategischer Weitblick, sein Netzwerk und seine jahrelange Erfahrung werden uns Vorteile verschaffen.“
Die Infrastruktur, auf die Paatz in Wien bauen kann, ist wohl besser als bei jedem deutschen Klub. Die Österreicher gehören zur Spitzengruppe der European League of Football. Der Verein zählt nach eigenen Angaben 700 Athleten. Es gibt eine Jugendakademie, bei der Sport und Schule verbunden werden. Paatz wurde nach Angaben des Klubs für die
„Weiterentwicklung essentieller Geschäftsprozesse, die Optimierung von Strukturen, den Ausbau von Partnerschaften und Sponsoring-Partnern sowie die Stärkung der Marke im regionalen, nationalen wie internationalen Umfeld“

geholt. Er sei stolz, Teil einer der traditionsreichsten und erfolgreichsten Organisationen im europäischen American Football zu sein, sagt der Mann mit Wurzeln am Niederrhein. Wer bei den Vienna Vikings aktiv ist, steht auf dem Radar der US-amerikanischen NFL.
Max Paatz erklärt, dass American Football derzeit in Europa ein „riesiger Nischensport“ sei. „American Football reicht noch nicht an Fußball heran. Aber vor Handball und Eishockey ist American Football mittlerweile die zweitbeliebteste Ballsportart.“
Und Paatz hofft darauf, dass die Sportart einen Boom erlebt, wenn Flag Football 2028 bei den Spielen in Los Angeles olympisch wird.
Flag Football ist eine kontaktarme Variante des American Football, bei der statt körperlichen Tacklings „Flags“ vom Gürtel des Ballträgers gezogen werden, um den Spielzug zu stoppen. Die Teams – meist spielen fünf gegen fünf – sind kleiner, das Feld ebenso.
„Ich glaube, dass Football so noch präsenter in Breitensportvereinen werden kann. Mit dem klassischen American Football geht meist ein hoher Aufwand einher, du brauchst einen riesigen Apparat. Fürs Flag Football braucht es zehn Mann und ein paar Flaggen – das ist schnell gemacht“,
sagt Paatz.
Er selbst bleibt unterdessen freilich dem American Football treu. Denn:
„Ich finde Mann gegen Mann einfach cool.“
Außerdem sei es faszinierend, dass in der Regel zwei Minuten vor Spielende noch alles möglich ist.
„Das ist nicht wie beim Fußball“,
sagt der 50-Jährige im Gespräch mit unserer Redaktion. Und zwar sei Körperlichkeit wichtig, aber man müsse auch einen guten taktischen Plan haben – das mache den Sport aus:
„Wir spielen gewissermaßen Schach auf dem Rasen.“
Der Manager erkennt darüber hinaus eine hohe integrative Kraft mit Blick auf seinen Sport.
„Beim American Football ist es egal, wie du aussiehst. Bei uns machen große, dünne, dicke und kleine Leute mit. Und auch Religion oder Nationalität sind uninteressant. Es gibt Raum für viele – und alle sind fein miteinander“,
sagt Paatz.
An seine aktive Zeit bei den Cleve Conquerors denkt er übrigens immer wieder gerne zurück. Und Paatz hat vernommen, dass einer seiner früheren Mannschaftskollegen unlängst einen großen Karriereschritt gemacht hat: Kleves neuer Bürgermeister Markus Dahmen.
„Ich war Quarterback, Markus mein rechter Tackle. Damals war er aber noch eine echte Kante“,
sagt Paatz.
A.T.
(Quelle: Rheinische Post - Maarten Oversteegen)





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