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Muss man sich Sorgen um Rhein Fire machen, Daniel Thywissen? Ist die Liga besorgt, Moritz Heisler?

  • Autorenbild: A.T.
    A.T.
  • vor 11 Stunden
  • 4 Min. Lesezeit
Blick aus dem Spielertunnel von Rhein Fire in die Duisburger Arena.
Blick aus dem Spielertunnel von Rhein Fire in die Duisburger Arena.

Nach öffentlichen Vorwürfen rückt die wirtschaftliche Lage der Football-Franchise in den Fokus. Wir haben Rhein Fires CEO und den Liga-Boss beim Besuch in der Redaktion der Rheinischen Post mit vielen Fragen konfrontiert. Was sie geantwortet haben.


Muss man sich Sorgen um Rhein Fire machen?

Ist die Liga besorgt um eine seiner Vorzeige-Franchises, die ein wenig zu wackeln scheint?

Das ist das Hauptthema des Gesprächs, für das zwei Personen in der Redaktion der Rheinischen Post zu Gast waren, die es wissen müssen:

  • Daniel Thywissen, Geschäftsführer von Rhein Fire, sowie

  • Moritz Heisler, COO und Managing Director der American Football League Europe (AFLE),

der quasi direkt vom Flughafen nach Düsseldorf-Heerdt gekommen war.


Das Thema der wirtschaftlichen Lage von Rhein Fire richtig zum Kochen gebracht hatten zuvor die Kündigungen von Christoph Lörcks und Ray Woodard. Von beiden hatte sich Fire plötzlich getrennt.


Lörcks, zuvor General Manager bei Fire, hatte mitgeteilt, dass Thywissen die Zusammenarbeit

„aus wirtschaftlichen Gründen mit sofortiger Wirkung beenden“

wollte. Woodard, zuvor Defensive Coordinator, hatte im Interview mit „Foot Bowl“ berichtet, dass Fire

„20 Prozent des Budgets einsparen“

müsse und dass sein Apartment nicht pünktlich bezahlt worden sei, ebenso wie die Gehälter einiger Coaches:

„Keiner von uns wurde pünktlich bezahlt. Wir haben sogar einmal nicht trainiert, wir haben das sozusagen boykottiert. Dann wurde darüber gesprochen, und es wurde gezahlt. Aber ich muss sagen, es gibt immer noch einige Trainer, die nicht bezahlt wurden.“

Aussagen nach Kündigungen passen ins Bild

Was also sagt Thywissen zu all den Vorwürfen beim Gespräch mit der RP-Redaktion?

Die Antwort: Er wollte sich nicht äußern und verwies stattdessen auf laufende rechtliche Verfahren. So oder so passt diese ganze Thematik ins Bild, dass bei Fire in finanzieller Hinsicht anscheinend längst nicht alles glatt läuft. Dass keine Franchise derzeit Gewinne einfährt und damit auch noch nicht rechnet, ist bekannt. Aber eine Schieflage, die vielleicht sogar den Spielbetrieb bedroht? Das ist etwas anderes. Und dann auch noch ausgerechnet bei Rhein Fire.


Ob es jene Schieflage überhaupt gibt, ist jedoch die Frage. Harte, belastbare Fakten dazu gibt es nur wenige. Vielmehr ist es ein Eindruck, ein Gefühl, eine Stimmung. Basierend auf Hintergrundgesprächen, geleakten Dokumenten, Interpretationen von Handlungen der Franchise oder auf den genannten Aussagen von gerade freigestellten Mitarbeitern.


Gut eine Stunde dauerte das Gespräch mit Heisler und Thywissen. Ein klares Ja oder Nein auf Fragen wie, ob man sich denn nun Sorgen um Fire machen müsse oder die Saison gesichert sei, gab es nicht. Heisler sagte dazu Folgendes:

„Wir haben einen langfristigen Plan mit Rhein Fire, genauso wie Rhein Fire einen langfristigen Plan mit uns hat. Und aus der Warte gehen wir gestärkt in die Zukunft.“

AFLE und Rhein Fire demonstrieren Geschlossenheit

Der Ligachef war sicherlich auch gekommen, um die enge Zusammenarbeit zwischen AFLE und den Franchises zu demonstrieren. Dass das sehr gut läuft, hört man auch von anderen Quellen immer mal wieder.

Tenor: Das hat es früher so nicht gegeben. Die Liga hat sich als Aufgabe gesetzt, ihren Teams zu helfen. Sie will sie nicht alleine lassen, wenn es mal Probleme gibt.


Daniel Thywissen (links), Geschäftsführer von Rhein Fire, und Moritz Heisler, COO und Managing Director der AFLE.
Daniel Thywissen (links), Geschäftsführer von Rhein Fire, und Moritz Heisler, COO und Managing Director der AFLE.

Ein großes für Rhein Fire ist derweil das eigene Stadion beziehungsweise dessen Auslastung.

„Wir müssen bei den Kosten eine Veränderung herbeiführen“,

oder:

„Das Ganze funktioniert nur, wenn wir mehr Zuschauer ins Stadion kriegen, als es letzte Saison der Fall war.“

Das hatte Thywissen schon vergangenen Herbst gesagt. Kosten wurden verändert, indem ein Oberrang nicht mehr geöffnet wird und auch die Fire Party vor dem Spiel verkleinert wurde. Der Zuschauerschnitt ist mit unter 5.000 aber deutlich zu niedrig.


Das weiß auch Thywissen, der nun im Gespräch anmerkte, das Stadionerlebnis weiter optimieren zu wollen:

„Du musst auf der einen Seite sagen: Was braucht es, damit Rhein Fire das attraktive Produkt ist, was viele Menschen ins Stadion lockt? Was ist aber vielleicht gar nicht so notwendig oder was können wir vielleicht besser und schlauer machen?“

Sind am Ende zu viele Schwarzseher unterwegs?

Eine negative Stimmung rund rum Rhein Fire nehme Thywissen vor allem virtuell wahr:

„Ich habe bei Social Media sehr viel negativere Vibes, wo auch auf Personen sehr negativ eingegangen wurde. Ich habe aber am Spieltag eine Jetzt-erst-Recht-Mentalität bei den Fans wahrgenommen. Ich habe mitgenommen: Hey, wir lassen uns davon nicht unterkriegen. Wir stehen weiter zu Rhein Fire. Es ist nicht einfach, aber wir halten zusammen.“

Diesen Eindruck teilte Heisler:

„Es würde mir schon gefallen, wenn wir wieder ein bisschen mehr Positivität hineinbekommen können. Wir reden immer noch über Events, die vollkommen gewaltfrei sind, familientauglich, diese ganzen Sachen. Was hier in den letzten Jahren von einzelnen Teams in kurzer Zeit aufgebaut worden ist, ist absoluter Wahnsinn. Das wird weiterhin ein großer Haufen Arbeit sein, der auch viel Geld verschlingen wird. Es sind aber viele Leute dabei, die sich committed haben. Wir wollen das weiterbauen und versuchen, Football endlich nachhaltig in Europa zu etablieren.“

Die Finanzen machen Rhein Fire zu schaffen, so viel scheint klar.

  • Aber ist es vielleicht gar nicht so schlimm, sondern alles in den Griff zu kriegen?

  • Ist die negative Stimmung, die vor allem in den sozialen Medien vorherrscht, am Ende viel gefährlicher als eine zu niedrige Zuschauerzahl?

Die Zeit wird es zeigen.


A.T.

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