AFLE: Haben Sie das Thema Transparenz unterschätzt, Herr Heisler?
- A.T.

- vor 3 Stunden
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Ein Exklusiv-Interview mit der Rheinischen Post

Moritz Heisler betont immer wieder die Transparenz der AFLE, gleichzeitig ist kurz vor Saisonstart vieles unklar. Woran liegt das? Wie denkt der Ligachef über die öffentliche Meinung und was macht ihn so optimistisch? Darüber und mehr hat er mit derr Redaktion der Rheinischen Post gesprochen.
Als das neue Londoner Team der American Football League of Europe (AFLE) am vergangenen Mittwoch im Düsseldorfer Knoten erstmals genannt wurde, ging ein Raunen durch die anwesenden Rhein-Fire-Fans. Die Skepsis, dass es dieses Team wirklich gibt, ist groß. Hörbar groß. Moritz Heisler, COO und Managing Director der AFLE, ist sich seiner Sache dagegen sicher, das machte er im Fire-Talk deutlich. Zudem kündigte er weitere konkrete Infos an, die inzwischen teilweise auch tatsächlich veröffentlicht wurden. Die Sport-Redaktion der Rheinischen Post hatte nach der Veranstaltung noch die Gelegenheit, mit Heisler exklusiv zu sprechen.
Warum können Sie nicht öffentlich sagen, dass das Team aus London bereits einen Kader hat und trainiert – also nicht nur auf dem Papier existiert?
Moritz Heisler:
Wir befinden uns in einem Stadium, in dem rechtliche und vertragliche Rahmenbedingungen noch nicht abschließend geklärt sind. Solange das nicht der Fall ist, wäre es schlicht und ergreifend unseriös, Informationen zu kommunizieren, die wir anschließend wieder relativieren müssten. Wir wollen nicht nur eine attraktive Liga für die Fans bieten, sondern zugleich auch für die Franchises ein verlässlicher Partner bleiben. Ich verstehe, dass das für viele Fans frustrierend ist, und ich kann nachvollziehen, dass der Wunsch nach Transparenz groß ist. Wir werden sehr bald Schritt für Schritt kommunizieren, sobald die offenen Punkte geklärt sind. Mehr kann ich zum jetzigen Zeitpunkt nicht sagen.
Sie haben erneut einige konkrete Zeiträume für kommende Informationen genannt. Wie zum Beispiel vor Wochen zum Finale, das Ihnen zufolge längst hätte verkündet werden sollen. Haben Sie das Thema Transparenz manchmal unterschätzt und gemerkt, dass das doch nicht alles immer so geht, wie Sie gern würden?
Generell haben wir natürlich ein paar Sachen falsch eingeschätzt. Wir haben den Prozess, uns wieder zusammenzubringen [mit der European Football Alliance, Anm.d.Red.] zu lange weitergetragen, um dann zu merken, wir kommen wirklich nicht mehr zusammen – das kostet uns hintenraus jetzt Zeit. Natürlich kommen wir immer wieder in Bereiche, wo Dinge deutlich länger dauern als erwartet. Die Grafik fürs Finale ist seit sechs Wochen fertig, wir könnten das machen. Aber wir wissen, wenn das Team aus London und solche Sachen nicht bekannt gegeben sind, dann geht das in Negativität unter – und das wollen wir nicht.
Könnte man diese Begründung nicht proaktiv geben?
Klar kann man das machen. Aber ich möchte nicht in einen Rechtfertigungsstrudel kommen. Die Forderungen der Öffentlichkeit sind natürlich auch stark gewachsen. Wir hatten monatelang eine öffentliche Diskussion, wer der Investor ist. Vier Jahre davor wusste das bei der ELF auch niemand, und es hat auch niemanden interessiert. Ich habe das Gefühl, dass sich da die Meinungen und Forderungen umgedreht haben. Da müssen wir oft drauf reagieren, manchmal aber auch nicht. Da verlasse ich mich auf das Feedback meiner Spezialisten, was die Strategie angeht. Wir können Dinge anders machen und müssen es nächstes Jahr zu 100 Prozent auch, es ist für alle noch ein Lernprozess. Da müssen wir wachsen und Sachen annehmen, die auch hier in den Talks gesagt werden. Ich war in einigen Formaten zu Gast und habe Interviews gegeben. Wir haben nichts zu verstecken und einige Dinge folgen einfach einer gewissen Strategie.
Die öffentliche Meinung zur AFLE ist derzeit mindestens gespalten, sicher auch, weil einige Dinge noch nicht bekannt sind. Das sorgt für Skepsis gegenüber der Liga. Was macht dieses eher negative öffentliche Bild – auch in den Medien – mit Ihnen?
Ich verstehe, dass alle Leute eine Meinung haben, das ist auch wichtig. Manche leben ja auch davon, es ist wichtig für Klicks und Verkaufszahlen. Wo es mich anfängt zu stören, ist, wenn es in den komplett spekulativen Bereich geht und Fakten überhaupt keine Rolle mehr spielen. Ich habe auch heute nicht gesagt, wo das Finale ist oder wie das London Football Team heißt. Trotzdem finde ich, dass die Stimmung auf solchen Terminen immer positiver ist. Wir sind ja auch bereit, fast alles zu beantworten. Wir werden uns nicht zu laufenden Vertragsverhandlungen äußern, und es gibt einfach Dinge, da ziehen wir eine Grenze. Deshalb tangiert es mich nicht besonders. Ich lese mir schon lange keine Kommentare mehr durch und habe wenig Zeit für Social Media aktuell. Zum Teil kann ich es verstehen, zum Teil aber auch nicht. Manchmal sind Kommentare auch unter der Gürtellinie, aber wenn man dann persönlich mit den Leuten redet, ist alles wieder ok. Ich denke, so müssen wir zusammenkommen und das Thema gemeinsam angehen.

Mit Blick auf die sportliche Ausgeglichenheit der Liga: Von außen betrachtet haben Teams wie London oder Florenz gegenüber Rhein Fire oder Wien aktuell einen Rückstand. Mal ganz konkret: Was macht Sie so optimistisch, dass die mithalten können?
Wir haben schon seit Monaten wöchentliche Calls mit jedem Team. Wir bekommen da ein Update darüber, wie viele Homegrowns und Imports unter Vertrag stehen, wer sie sind und was sie mitbringen. Es gibt aktuell kein Team, das weniger als 30 Homegrowns unter Vertrag hat. Das ist für mich so die Grenze, wo ich sage, wenn du die Imports dazurechnest, hast du ein gutes Team, musst aber natürlich noch ein bisschen Tiefe schaffen. Die Level, die wir in Europa haben, sind sehr unterschiedlich. Deutschland hat einen guten Homegrown-Markt, in anderen Märkten muss man da ausgleichen. Wir haben eine ganze Reihe von Aufgaben vor uns, die dazu führen müssen, dieses Level anzugleichen. Daran arbeiten wir.
Wenn die Teams so viele Homegrowns haben, wieso machen manche Teams dann Ende des Monats noch Try-outs?
In Italien zum Beispiel gab es eine Vereinbarung mit dem Verband, damit die Teams dort die Chance haben, ihre Saison sauber zu Ende zu spielen. Das finde ich positiv. Die Try-outs helfen für die Tiefe und manchmal finden sich da auch noch Juwelen. Zudem gibt es anderen Sportlern wie Fußballern oder Rugby-Spielern die Chance, sich zu zeigen. Ich denke, es ist eine positive Sache, noch ein Try-out zu machen.
Sie haben im Fire-Talk gesagt, dass die Homegrowns noch mehr im Fokus stehen sollen. Wie passt das mit der Regelung zusammen, dass nun mehr Imports erlaubt sind als in der ELF?
Die Import-Regel ist erweitert worden, damit Teams, die Schwierigkeiten haben, auf ihrem Homegrown-Markt Spieler zu finden, ausgeglichen werden. Zum anderen hat es auch wirtschaftliche Gründe, unsere neuen I-Märkte sind hochattraktive Sportmärkte. Ich war überrascht, dass Rhein Fire keinen Japaner unter Vertrag genommen hat, da Düsseldorf die größte japanische Community außerhalb von Japan hat. Generell soll es dazu führen, dass wir ein ausgeglicheneres Niveau haben. Nicht jedes Team muss die Plätze abrufen, es ist eine freiwillige Sache. Die Anzahl ist auch erhöht worden, weil die Imports auf vielen verletzungsanfälligen Positionen spielen. Wir wollen sicherstellen, dass die Teams gut durch die Saison kommen. Da sind sie dann auch angehalten, Rotation durchzuführen, und den Homegrowns eine Chance zu geben.
Springen wir mal in den September: Woran werden sie nach der Saison festmachen, dass es eine erfolgreiche Spielzeit war?
Wenn wir ein gutes Produkt geliefert haben, gemessen an Zuschauern, guten Events und guten Bildern, die wir produziert haben. Wenn wir Spieler haben, die verletzungsfrei durch die Saison kommen und wiederkommen. Wenn wir Coaches aus den USA haben, die an Top-Colleges waren und sagen, sie wollen zurückkommen, weil es so gut war. Wir wollen, dass die Leute hinterher sagen, es hat sich gelohnt. Und wenn wir generell aus diesem Negativstrudel rauskommen. Dann gibt es natürlich ein paar harte Kennzahlen: Wie viele Partnerschaften haben wir abgeschlossen? Wenn wir Merch verkaufen, kommt der auch nach vier Tagen an oder dauert es drei Monate? Wie sind die Ticketpreise? Und so weiter, da gibt es eine ganze Reihe. Ich glaube, wir haben die Chance, eine Menge negative in positive Einstellung umzudrehen – und das ist das, wofür wir hier angetreten sind.
A.T.
(Quelle: Rheinische Post - Stefan Janssen)




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